Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen sind die drei Hauptkategorien zur Erfassung von Treibhausgasemissionen nach dem Greenhouse Gas Protocol. Sie unterscheiden zwischen direkten Emissionen aus eigenen Quellen (Scope 1), indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie (Scope 2) und allen anderen indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (Scope 3). Diese Kategorisierung bildet die Grundlage für eine vollständige CO2-Bilanz und ist für die CSRD-konforme Berichterstattung unerlässlich.
Was sind Scope 1, 2 und 3 Emissionen und warum sind sie wichtig?
Die Scope-Kategorien sind ein standardisiertes System zur systematischen Erfassung aller Treibhausgasemissionen eines Unternehmens. Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus unternehmenseigenen Quellen, Scope 2 indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie und Scope 3 alle weiteren indirekten Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Diese Kategorisierung ist für das Nachhaltigkeitsreporting von entscheidender Bedeutung, da sie eine vollständige und transparente Darstellung der Klimawirkung ermöglicht. Nach dem aktuell verabschiedeten Omnibus-Rechtsakt auf EU-Ebene werden Unternehmen für die CSRD grundsätzlich nur noch dann berichtspflichtig, wenn sie beide Schwellen überschreiten: mehr als 1.000 Mitarbeitende im Jahresdurchschnitt und mehr als 450 Mio. € Nettoumsatz pro Jahr. Für Mutterunternehmen großer Gruppen gilt derselbe Maßstab auf konsolidierter Basis. Zusätzlich wurden die Anwendungstermine bereits mit der separaten „Stop-the-clock“-Richtlinie verschoben: Unternehmen der bisherigen Welle 2 müssen nicht mehr wie ursprünglich 2026 erstmals berichten; diese Pflichten wurden um zwei Jahre nach hinten geschoben und somit werden die Unternehmen erst ab 2028 berichtspflichtig.
Für Nachhaltigkeitsverantwortliche bietet diese Struktur einen klaren Rahmen zur Datenerfassung und Berichterstattung. Sie erleichtert die Kommunikation mit Stakeholdern und gewährleistet die Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Unternehmen und Branchen.
Wie unterscheiden sich Scope 1, 2 und 3 Emissionen voneinander?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Kontrolle und dem Einflussbereich des Unternehmens. Scope-1-Emissionen entstehen direkt in den eigenen Betriebsstätten und können unmittelbar beeinflusst werden. Scope-2-Emissionen entstehen bei der Erzeugung eingekaufter Energie, während Scope-3-Emissionen in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette auftreten.
Ein Produktionsunternehmen hat beispielsweise Scope-1-Emissionen durch eigene Heizkessel und Firmenfahrzeuge. Die Emissionen aus dem eingekauften Strom für die Maschinen fallen unter Scope 2. Emissionen aus der Anfahrt der Mitarbeitenden, aus eingekauften Rohstoffen oder aus der Entsorgung der Produkte gehören zu Scope 3.
Ein häufiger Zuordnungsfehler besteht darin, Emissionen aus Geschäftsreisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln als Scope 1 zu klassifizieren – diese gehören jedoch zu Scope 3, da das Unternehmen die Verkehrsmittel nicht direkt kontrolliert.
Die Abgrenzung zwischen den Kategorien folgt dem Prinzip der operativen Kontrolle: Was direkt vom Unternehmen betrieben wird, zählt zu Scope 1. Was eingekauft wird, aber ausschließlich Energie liefert, gehört zu Scope 2. Alle anderen Aktivitäten fallen unter Scope 3.
Welche Emissionen gehören zu Scope 1 und wie erfasst man sie?
Scope 1 umfasst alle direkten Emissionen aus Quellen, die das Unternehmen besitzt oder kontrolliert. Dazu gehören Emissionen aus eigenen Heizanlagen, Firmenfahrzeugen, Produktionsprozessen und stationären Verbrennungsanlagen. Diese Emissionen entstehen direkt vor Ort und können vom Unternehmen unmittelbar beeinflusst werden.
Konkrete Beispiele sind der Gasverbrauch für Heizung und Warmwasser, der Diesel- und Benzinverbrauch der eigenen Fahrzeugflotte, Emissionen aus chemischen Produktionsprozessen oder aus eigenen Blockheizkraftwerken. Auch Kältemittelverluste aus Klimaanlagen und industrielle Prozessemissionen zählen dazu.
Die Erfassung erfolgt über die Dokumentation der Verbrauchsmengen und deren Umrechnung mithilfe spezifischer Emissionsfaktoren. Brennstoffverbräuche werden in Litern oder Kubikmetern gemessen und mit CO2-Äquivalenten pro Einheit multipliziert. Bei Fahrzeugen können Kilometerstände und Durchschnittsverbräuche als Berechnungsgrundlage dienen.
Eine häufige Herausforderung ist die vollständige Erfassung aller Verbrauchsstellen. Hilfreich ist die Erstellung einer systematischen Übersicht aller Emissionsquellen am Standort sowie die Einführung regelmäßiger Ableseroutinen für Zähler und Tankbelege.
Was zählt zu Scope 2 Emissionen und wie berechnet man sie korrekt?
Scope-2-Emissionen entstehen bei der Erzeugung von eingekaufter Energie, die das Unternehmen verbraucht. Dies umfasst hauptsächlich Strom, kann aber auch Dampf, Wärme oder Kälte aus externen Quellen einschließen. Diese Emissionen entstehen nicht direkt im Unternehmen, sondern beim Energieversorger.
Das Greenhouse Gas Protocol unterscheidet zwischen zwei Berechnungsmethoden: der standortbezogenen Methode, die den durchschnittlichen Emissionsfaktor des lokalen Stromnetzes verwendet, und der marktbezogenen Methode, die die spezifischen Eigenschaften des eingekauften Stroms berücksichtigt.
Bei Ökostrom mit Herkunftsnachweisen können die Scope-2-Emissionen nach der marktbezogenen Methode auf null gesetzt werden, sofern die Zertifikate den Qualitätskriterien entsprechen. Grüne Stromtarife ohne entsprechende Nachweise führen jedoch nicht automatisch zu einer Reduktion der berichteten Emissionen.
Die Berechnung erfolgt durch Multiplikation des Energieverbrauchs in Kilowattstunden mit dem jeweiligen Emissionsfaktor. Für die CSRD-Berichterstattung müssen beide Methoden angewendet und die Ergebnisse separat ausgewiesen werden, um vollständige Transparenz zu gewährleisten.
Warum sind Scope 3 Emissionen so komplex und wie geht man sie an?
Scope-3-Emissionen sind die komplexeste Kategorie, da sie alle indirekten Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette umfassen. Sie entstehen in der vor- und nachgelagerten Lieferkette und können oft 70–90 % der gesamten Unternehmensemissionen ausmachen, sind aber schwer zu kontrollieren und zu messen.
Das Greenhouse Gas Protocol definiert 15 Kategorien für Scope-3-Emissionen, darunter eingekaufte Waren und Dienstleistungen, Geschäftsreisen, Mitarbeiteranfahrt, Transport und Verteilung sowie Nutzung und Entsorgung verkaufter Produkte. Jede Kategorie erfordert spezifische Datenquellen und Berechnungsmethoden.
Für kleine und mittelständische Unternehmen empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen: Zunächst werden die relevantesten Kategorien identifiziert und priorisiert. Häufig sind dies eingekaufte Materialien, Geschäftsreisen und der Arbeitsweg der Mitarbeitenden. Die Datenerfassung kann mit Näherungswerten beginnen und schrittweise verfeinert werden.
Praktische Ansätze umfassen die Nutzung von Lieferantendaten, branchenspezifischen Durchschnittswerten oder vereinfachten Berechnungstools. Wichtig ist die transparente Dokumentation der verwendeten Methoden und Annahmen für die spätere Nachverfolgung und Verbesserung der Datenqualität.
Wie erstellt man eine vollständige CO2-Bilanz mit allen drei Scopes?
Eine vollständige CO2-Bilanz erfasst systematisch alle Treibhausgasemissionen eines Unternehmens nach wissenschaftlich anerkannten Standards. Der Prozess beginnt mit der Definition der Systemgrenzen und der Identifikation aller relevanten Emissionsquellen in den drei Scope-Kategorien.
Die Erstellung erfolgt in mehreren Schritten: Datensammlung für alle Emissionsquellen, Anwendung geeigneter Emissionsfaktoren, Berechnung der CO2-Äquivalente und Dokumentation der Methodik. Für Scope 1 werden Verbrauchsdaten direkt erfasst, für Scope 2 Energierechnungen ausgewertet und für Scope 3 verschiedene Datenquellen kombiniert.
Notwendige Tools umfassen Tabellenkalkulationsprogramme oder spezialisierte Software zur Treibhausgasbilanzierung. Wichtige Datenquellen sind Energierechnungen, Tankbelege, Reisekostenabrechnungen, Lieferantenangaben und Produktionsdaten. Die Qualitätssicherung erfolgt durch Plausibilitätsprüfungen und Vergleiche mit Branchenwerten.
Die Integration in den Nachhaltigkeitsbericht nach CSRD-Anforderungen erfordert die transparente Darstellung der Methodik, der verwendeten Emissionsfaktoren und der Datenqualität. Wir unterstützen Unternehmen dabei, eine strukturierte und gesetzeskonforme Berichterstattung zu gewährleisten, die sowohl den regulatorischen Anforderungen entspricht als auch strategischen Wert für die Klimastrategie des Unternehmens schafft.
Eine fundierte CO2-Bilanz bildet die Grundlage für glaubwürdige Klimastrategien und ermöglicht die Ableitung konkreter Reduktionsmaßnahmen. Sie schafft Transparenz gegenüber Stakeholdern und unterstützt die strategische Ausrichtung des Unternehmens auf dem Weg zur Klimaneutralität.
Wie ADCONTERRA bei der CO2-Bilanzierung unterstützt
ADCONTERRA bietet umfassende Unterstützung bei der Erstellung vollständiger CO2-Bilanzen nach internationalen Standards und CSRD-Anforderungen. Unsere Expertise umfasst die komplette Begleitung von der ersten Datenerfassung bis zur finalen Berichterstattung:
• Systematische Datenerfassung: Entwicklung individueller Erfassungsstrukturen für alle Scope-Kategorien mit praxiserprobten Tools und Vorlagen
• Methodische Beratung: Auswahl geeigneter Berechnungsmethoden und Emissionsfaktoren entsprechend Branche und Unternehmensstruktur
• Software-Integration: Implementierung digitaler Lösungen zur automatisierten Datensammlung und -auswertung
• Qualitätssicherung: Validierung der Ergebnisse durch Plausibilitätsprüfungen und Branchenvergleiche
• CSRD-konforme Dokumentation: Aufbereitung der CO2-Bilanz für die gesetzeskonforme Nachhaltigkeitsberichterstattung
Vereinbaren Sie ein unverbindliches Beratungsgespräch und erfahren Sie, wie wir Ihr Unternehmen bei der professionellen CO2-Bilanzierung unterstützen können. Kontaktieren Sie uns unter info@adconterra.de oder +49 30 120 8388 0.
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