Wie werden realistische Klimaziele für Unternehmen definiert?
Wer Klimaziele für sein Unternehmen definieren möchte, steht schnell vor einer grundlegenden Frage: Wie ehrgeizig soll die CO₂-Reduktion sein, und wie realistisch ist die Umsetzung im Tagesgeschäft? Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist diese Abwägung keine leichte Aufgabe. Klimaziele, die zu vage formuliert sind, verlieren ihre Steuerungswirkung. Ziele, die den betrieblichen Kontext ignorieren, erzeugen Frustration statt Fortschritt. Dieser Beitrag zeigt, wie eine fundierte Klimastrategie für Unternehmen Schritt für Schritt entsteht.
Ausgangsbasis: CO₂-Bilanz als Fundament der Zielsetzung
Bevor realistische Klimaziele definiert werden können, braucht es ein klares Bild des eigenen Ist-Zustands. Eine vollständige CO₂-Bilanz erfasst alle relevanten Emissionsquellen entlang der drei Scopes: direkte Emissionen aus dem eigenen Betrieb (Scope 1), indirekte Emissionen aus zugekaufter Energie (Scope 2) sowie vor- und nachgelagerte Emissionen in der Wertschöpfungskette (Scope 3). Erst wenn diese Daten vorliegen, lässt sich beurteilen, wo die größten Hebel liegen.
Viele Unternehmen unterschätzen den Aufwand dieser ersten Phase. Die Datenerhebung erfordert abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und klare Zuständigkeiten. Gleichzeitig ist sie die unverzichtbare Grundlage für jede glaubwürdige CO₂-Reduktionsstrategie. Wer ohne Bilanz Ziele setzt, riskiert, an den falschen Stellschrauben zu drehen.
Anerkannte Rahmenwerke für die Klimazielsetzung
Klimaziele gewinnen an Glaubwürdigkeit, wenn sie auf wissenschaftlich anerkannten Methoden basieren. Das bekannteste Instrument dafür sind die Science Based Targets (SBTi), die Unternehmen dabei unterstützen, Reduktionspfade im Einklang mit den Zielen des Pariser Abkommens zu entwickeln. Konkret bedeutet das: Die Ziele müssen ambitioniert genug sein, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.
Daneben spielen im europäischen Kontext die Anforderungen aus der CSRD-Berichterstattung eine wachsende Rolle. Nach dem aktuell verabschiedeten Omnibus-Rechtsakt werden Unternehmen für die CSRD grundsätzlich nur noch dann berichtspflichtig, wenn sie beide Schwellen überschreiten: mehr als 1.000 Mitarbeitende im Jahresdurchschnitt und mehr als 450 Mio. Euro Nettoumsatz pro Jahr. Zudem wurden die Anwendungstermine verschoben: Unternehmen der bisherigen Welle 2 werden erst ab 2028 berichtspflichtig. Dennoch lohnt es sich, die eigene Klimastrategie bereits jetzt an den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) auszurichten, da die Transparenzerwartungen von Kunden, Banken und Geschäftspartnern unabhängig von gesetzlichen Pflichten wachsen.
Für KMU, die noch keine formellen SBTi-Verpflichtungen eingehen möchten, bieten Rahmenwerke wie das GHG Protocol oder branchenspezifische Leitfäden eine pragmatische Orientierung. Entscheidend ist, dass die gewählte Methodik dokumentiert und nachvollziehbar ist.
Ambition und Machbarkeit in der Balance halten
Klimaziele müssen sowohl wissenschaftlich relevant als auch betrieblich umsetzbar sein. Diese Balance zu finden, ist eine der zentralen Herausforderungen bei der Entwicklung einer Klimastrategie für Unternehmen. Ein Ziel, das auf dem Papier beeindruckend klingt, aber weder finanzielle Ressourcen noch operative Kapazitäten berücksichtigt, wird scheitern.
Ein bewährter Ansatz ist die Unterscheidung zwischen kurzfristigen Maßnahmenzielen und langfristigen Transformationszielen. Kurzfristig lassen sich etwa Energieeffizienzmaßnahmen, die Umstellung auf erneuerbare Energien oder die Optimierung von Fuhrparks umsetzen. Langfristig geht es um tiefgreifendere Veränderungen wie die Dekarbonisierung von Lieferketten oder die Entwicklung neuer, emissionsarmer Produkte und Dienstleistungen.
Wichtig ist dabei auch, interne Stakeholder frühzeitig einzubeziehen. Klimaziele, die von der Geschäftsführung top-down verordnet werden, ohne die betroffenen Fachabteilungen zu konsultieren, stoßen häufig auf Widerstand oder werden nicht konsequent verfolgt. Partizipation schafft Akzeptanz und realistischere Einschätzungen der tatsächlichen Machbarkeit.
Klimaziele in die Unternehmensstrategie integrieren
Klimaziele entfalten ihre volle Wirkung erst dann, wenn sie nicht als isoliertes Nachhaltigkeitsprojekt behandelt werden, sondern als integraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie und der übergeordneten Unternehmensstrategie. Das bedeutet konkret: Klimaziele sollten in Budgetplanung, Investitionsentscheidungen und Produktentwicklung einfließen.
Ein praktischer Schritt ist die Verknüpfung von Klimazielen mit bestehenden Managementsystemen, etwa dem Qualitätsmanagement oder dem Risikomanagement. Klimarisiken wie steigende Energiekosten, regulatorische Anforderungen oder physische Klimafolgen sind unternehmerische Risiken, die in der strategischen Planung berücksichtigt werden sollten. Wer Klimaziele in diese Prozesse einbettet, macht Nachhaltigkeit zur Chefsache, ohne zusätzliche Bürokratie aufzubauen.
Die Kommunikation der Ziele nach innen und außen ist ebenfalls Teil der Integration. Mitarbeitende, die verstehen, warum bestimmte Klimaziele verfolgt werden und welchen Beitrag sie selbst leisten können, werden zu aktiven Treibern der Umsetzung.
Fortschritt messen und Ziele regelmäßig anpassen
Klimaziele sind kein statisches Dokument. Regelmäßiges Monitoring ist notwendig, um zu beurteilen, ob der eingeschlagene Reduktionspfad noch auf Kurs ist oder ob Anpassungen erforderlich werden. Dafür braucht es klare Kennzahlen (Key Performance Indicators), die jährlich erhoben und mit den Ausgangsdaten verglichen werden.
Veränderungen im Geschäftsmodell, neue gesetzliche Anforderungen oder technologische Entwicklungen können dazu führen, dass ursprüngliche Ziele überholt sind. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von strategischer Reife. Unternehmen, die ihre Klimaziele regelmäßig überprüfen und bei Bedarf nachschärfen, zeigen, dass sie Nachhaltigkeit als dynamischen Prozess verstehen.
Für die Berichterstattung empfiehlt sich eine konsistente Methodik über mehrere Jahre hinweg, damit Vergleichbarkeit gewährleistet ist. Auch externe Überprüfungen durch Dritte können die Glaubwürdigkeit der Klimaberichterstattung stärken, besonders wenn Geschäftspartner oder Finanzierungsgeber entsprechende Nachweise einfordern.
Wie wir bei der Entwicklung realistischer Klimaziele unterstützen
Wir bei Adconterra begleiten Unternehmen vom ersten Schritt bis zur fertigen Klimastrategie. Als externe Nachhaltigkeitsmanager bringen wir das methodische Know-how mit, das viele KMU intern nicht vorhalten können, und passen unsere Unterstützung flexibel an den jeweiligen Stand des Unternehmens an. Unsere Leistungen in diesem Bereich umfassen:
- Erstellung einer vollständigen CO₂-Bilanz nach anerkannten Standards (GHG Protocol, Scope 1-3)
- Ableitung eines wissenschaftsbasierten Reduktionspfads, ausgerichtet an SBTi oder vergleichbaren Rahmenwerken
- Entwicklung einer integrierten Klimastrategie, die in die übergeordnete Unternehmensstrategie eingebettet ist
- Aufbau eines Monitoring-Systems mit relevanten Klimakennzahlen
- Unterstützung bei der Vorbereitung auf eine gesetzeskonforme Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD und ESRS
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Unternehmen heute steht und welche nächsten Schritte sinnvoll sind, sprechen Sie uns an. Wir freuen uns auf das Gespräch.
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