Welche Rolle spielt der Einkauf bei der Umsetzung der ESPR-Anforderungen?
Die Ökodesign-Verordnung ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) verändert nicht nur, wie Produkte gestaltet werden, sondern auch, wie Unternehmen ihre Beschaffung organisieren. Für Nachhaltigkeitsverantwortliche und Einkaufsabteilungen bedeutet das: Wer die ESPR-Anforderungen erst beim fertigen Produkt prüft, hat bereits zu spät angesetzt. Die Weichen werden weit früher gestellt, nämlich dort, wo Lieferanten ausgewählt und Materialien eingekauft werden.
Der Einkauf rückt damit in eine Schlüsselrolle. Er ist die Schnittstelle zwischen dem eigenen Unternehmen und der Lieferkette, und genau dort entscheidet sich, ob Produkte die neuen Anforderungen an Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und Ressourceneffizienz überhaupt erfüllen können. Nachhaltiger Einkauf ist unter ESPR kein freiwilliges Extra mehr, sondern eine operative Notwendigkeit.
ESPR-Anforderungen, die den Einkauf direkt betreffen
Die ESPR legt produktbezogene Mindestanforderungen fest, die schrittweise für verschiedene Produktkategorien eingeführt werden. Im Kern geht es darum, dass Produkte von Anfang an so konzipiert und hergestellt sein müssen, dass sie länger halten, leichter repariert werden können und am Ende ihres Lebenszyklus besser recycelbar sind. Für den Einkauf bedeutet das: Die Anforderungen beginnen nicht erst beim Endprodukt, sondern bei den Vorleistungen.
Konkret betrifft das den Einkauf in mehreren Bereichen. Materialien und Komponenten müssen so beschaffen sein, dass sie die Ökodesign-Kriterien der jeweiligen Produktkategorie erfüllen. Gleichzeitig wird der digitale Produktpass eingeführt, der entlang der gesamten Lieferkette relevante Informationen zu Inhaltsstoffen, Herkunft und Recyclingfähigkeit dokumentiert. Diese Daten müssen irgendwo herkommen, und der Einkauf ist die naheliegendste Quelle.
Wie der Einkauf die Produktkonformität sicherstellt
Produktkonformität unter ESPR ist kein einmaliger Prüfvorgang, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der bei der Lieferantenauswahl beginnt. Einkäufer müssen künftig systematisch prüfen, ob Lieferanten die geforderten Nachweise erbringen können, zum Beispiel zu Materialzusammensetzungen, Schadstofffreiheit oder dem Anteil recycelter Inhalte.
Das setzt voraus, dass Ausschreibungen und Lieferantenverträge entsprechende Anforderungen enthalten. Wer heute neue Lieferantenbeziehungen aufbaut, sollte ESPR-relevante Kriterien bereits in die Qualifikationsprozesse integrieren. Das schließt auch die regelmäßige Überprüfung bestehender Lieferanten ein, denn die ESPR-Delegierten-Rechtsakte werden produktkategoriespezifisch und zeitlich gestaffelt verabschiedet, was bedeutet, dass sich die Anforderungen laufend weiterentwickeln.
Zusammenarbeit zwischen Einkauf und Nachhaltigkeitsmanagement
Damit der Einkauf seine neue Rolle wirklich ausfüllen kann, braucht er enge Abstimmung mit dem Nachhaltigkeitsmanagement. Beide Bereiche sprechen häufig unterschiedliche Sprachen: Der Einkauf denkt in Kosten, Verfügbarkeit und Lieferzeiten, das Nachhaltigkeitsmanagement in ESG-Kennzahlen, Berichtspflichten und regulatorischen Fristen.
Eine funktionierende Zusammenarbeit braucht klare Verantwortlichkeiten und gemeinsame Prozesse. Nachhaltigkeitsverantwortliche sollten dem Einkauf konkrete, praxistaugliche Kriterienkataloge an die Hand geben, keine abstrakten Ziele. Gleichzeitig liefert der Einkauf Daten, die für das Nachhaltigkeitsreporting unverzichtbar sind, etwa zu Lieferantenstandorten, Materialkategorien oder Transportwegen. Diese Daten fließen in die CO₂-Bilanz und in die ESG-Berichterstattung ein. Wer diese Verzahnung früh aufbaut, spart später erheblichen Aufwand.
Typische Hürden bei der ESPR-Umsetzung im Einkauf
In der Praxis stoßen viele Einkaufsabteilungen auf ähnliche Schwierigkeiten. Lieferanten, besonders kleinere, können die geforderten Nachweise oft nicht ohne Weiteres erbringen. Daten zu Materialzusammensetzungen oder Recyclinganteilen sind nicht standardisiert vorhanden, und das Einfordern dieser Informationen kostet Zeit und erzeugt Reibung in bestehenden Lieferantenbeziehungen.
Hinzu kommt, dass viele Einkaufsteams noch keine klaren internen Vorgaben haben, welche ESPR-Kriterien für welche Produktkategorien relevant sind. Das liegt auch daran, dass die delegierten Rechtsakte der ESPR noch nicht vollständig verabschiedet sind und sich der regulatorische Rahmen weiterentwickelt. Trotzdem lohnt es sich, jetzt mit dem Aufbau entsprechender Prozesse zu beginnen, denn wer wartet, bis alle Anforderungen feststehen, verliert wertvolle Vorlaufzeit.
Eine weitere Hürde ist die interne Priorisierung. In vielen Unternehmen hat der Einkauf primär die Aufgabe, Kosten zu senken und Verfügbarkeit zu sichern. Nachhaltigkeitskriterien werden dann schnell als zusätzliche Belastung wahrgenommen, besonders wenn der Mehrwert nicht klar kommuniziert wird.
Strategischer Einkauf als Wettbewerbsvorteil unter ESPR
Unternehmen, die ESPR-konforme Beschaffung als strategisches Instrument begreifen, verschaffen sich einen echten Vorsprung. Wer frühzeitig Lieferantenbeziehungen aufbaut, die auf Transparenz und Produktqualität im Sinne der Ökodesign-Anforderungen ausgerichtet sind, ist besser gegen regulatorische Überraschungen gewappnet und kann das gegenüber Kunden und Geschäftspartnern glaubwürdig kommunizieren.
Nachhaltiger Einkauf zahlt zudem direkt auf die Nachhaltigkeitsstrategie eines Unternehmens ein. Scope-3-Emissionen, also die indirekten Emissionen aus der Lieferkette, sind für viele Unternehmen der größte Hebel zur CO₂-Reduktion. Eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie schließt deshalb den Einkauf zwingend mit ein. Wer das konsequent umsetzt, kann sich nicht nur regulatorisch absichern, sondern auch bei Ausschreibungen, Finanzierungsgesprächen und Kundenanfragen mit belegbaren Ergebnissen punkten.
Wie wir bei der ESPR-Umsetzung im Einkauf unterstützen
Wir begleiten Unternehmen dabei, die ESPR-Anforderungen strukturiert in ihre Beschaffungsprozesse zu integrieren. Das bedeutet für uns nicht, abstrakte Konzepte zu liefern, sondern gemeinsam mit Einkauf und Nachhaltigkeitsmanagement praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Konkret unterstützen wir bei:
- der Analyse, welche Produktkategorien und Lieferantenbeziehungen von den ESPR-Delegierten-Rechtsakten betroffen sind
- der Entwicklung von Lieferantenkriterienkatalogen und Ausschreibungsanforderungen, die ESPR-konform sind
- dem Aufbau von Datenerfassungsprozessen für den digitalen Produktpass und die ESG-Berichterstattung
- der Verzahnung von Einkaufsaktivitäten mit der übergeordneten Nachhaltigkeitsstrategie und dem CO₂-Reduktionspfad
Als externe Nachhaltigkeitsexperten kennen wir die Herausforderungen, vor denen Einkaufs- und Nachhaltigkeitsteams in kleinen und mittelständischen Unternehmen stehen. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Unternehmen bei der ESPR-Umsetzung aktuell steht und welche nächsten Schritte sinnvoll sind, sprechen Sie uns gerne an.
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