Welche Nachhaltigkeitskennzahlen sollten Unternehmen für Produkte festlegen?
Wer Produkte nachhaltiger gestalten möchte, steht schnell vor einer praktischen Frage: Woran misst man eigentlich Fortschritt? Ohne klare Nachhaltigkeitskennzahlen bleibt jede Produktstrategie vage. Gut ausgewählte KPIs machen sichtbar, wo ein Produkt entlang seines Lebenszyklus ökologische oder soziale Wirkung entfaltet, und sie schaffen die Grundlage für glaubwürdiges Nachhaltigkeitsreporting.
Gerade für Nachhaltigkeitsverantwortliche in Unternehmen mit einem breiten Produktportfolio ist die Auswahl der richtigen produktbezogenen Nachhaltigkeitsindikatoren keine triviale Aufgabe. Die Kennzahlen müssen intern steuerbar sein, extern kommunizierbar und gleichzeitig zu den Anforderungen von CSRD und ESRS passen. Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick, worauf es dabei ankommt.
Relevante Kennzahlenkategorien für produktbezogene Nachhaltigkeit
Produktbezogene ESG-Kennzahlen lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: ökologische Wirkung, soziale Aspekte entlang der Lieferkette und Produktqualität im weiteren Sinne. In der Praxis dominieren die ökologischen Kennzahlen, weil sie oft am direktesten messbar sind.
Zu den gängigsten ökologischen Produktkennzahlen gehören der CO2-Fußabdruck eines Produkts (Product Carbon Footprint, PCF), der Wasserverbrauch in der Herstellung, der Anteil recycelter oder nachwachsender Rohstoffe sowie die Recyclingfähigkeit am Produktlebensende. Ergänzend spielen Kennzahlen zur Langlebigkeit eine Rolle, etwa Reparierbarkeitsindizes oder Garantielaufzeiten als Indikator für Produktqualität und Ressourceneffizienz.
Auf der sozialen Seite sind Kennzahlen zur Arbeitssicherheit in der Produktion, zur fairen Entlohnung in der Lieferkette oder zum Anteil zertifizierter Lieferanten relevant. Diese sind schwerer zu erheben, aber besonders für Unternehmen mit langen globalen Lieferketten zunehmend gefragt.
Produktkennzahlen im Kontext von CSRD und ESRS richtig verorten
Nicht jedes Unternehmen ist aktuell zur Berichterstattung nach CSRD verpflichtet. Nach dem verabschiedeten Omnibus-Rechtsakt auf EU-Ebene gilt eine Berichtspflicht grundsätzlich nur noch für Unternehmen, die beide Schwellen überschreiten: mehr als 1.000 Mitarbeitende im Jahresdurchschnitt und mehr als 450 Mio. Euro Nettoumsatz pro Jahr. Zudem wurden die Anwendungstermine verschoben: Unternehmen, die ursprünglich ab 2026 hätten berichten müssen, sind nun erst ab 2028 berichtspflichtig.
Dennoch lohnt es sich, produktbezogene KPIs frühzeitig an den European Sustainability Reporting Standards auszurichten. Innerhalb des ESRS-Rahmens sind produktbezogene Themen vor allem in ESRS E1 (Klimawandel), ESRS E5 (Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft) sowie ESRS S2 (Arbeitnehmer in der Wertschöpfungskette) verankert. Wer seine produktbezogenen Nachhaltigkeitsanforderungen frühzeitig kennt, kann Kennzahlen so aufbauen, dass sie später ohne großen Mehraufwand in einen Bericht einfließen.
Für Unternehmen, die noch nicht berichtspflichtig sind, bieten die ESRS trotzdem eine nützliche Orientierung. Sie helfen dabei, Kennzahlen nicht willkürlich zu wählen, sondern an einem anerkannten Standard auszurichten, der auch von Kunden, Investoren und Banken zunehmend als Referenzrahmen genutzt wird.
Kriterien für die Auswahl sinnvoller Produkt-KPIs
Die Anzahl möglicher Kennzahlen ist groß. Entscheidend ist nicht, möglichst viele zu erfassen, sondern die richtigen. Ein sinnvoller Ausgangspunkt ist die Wesentlichkeitsanalyse: Welche ökologischen und sozialen Themen sind für das Unternehmen und seine Produkte tatsächlich bedeutsam?
Gute Produkt-KPIs erfüllen mehrere Bedingungen gleichzeitig. Sie sind messbar und wiederholbar erhebbar, also nicht auf eine einmalige Studie angewiesen. Sie bilden eine Wirkung ab, die das Unternehmen auch tatsächlich beeinflussen kann. Und sie sind verständlich genug, um intern als Steuerungsgröße und extern als Kommunikationsmittel zu funktionieren.
Praktisch bedeutet das: Eine Kennzahl wie „Anteil der Produkte mit vollständiger Materialdeklaration“ ist oft sinnvoller als ein aufwendig berechneter aggregierter Nachhaltigkeitsindex, den intern niemand versteht und der extern nicht nachvollzogen werden kann. Weniger, aber konsistente Kennzahlen schaffen mehr Glaubwürdigkeit als ein breites, schlecht gepflegtes Kennzahlenset.
Datenerhebung und Integration in bestehende Prozesse
Produktbezogene Nachhaltigkeitsdaten entstehen selten an einem einzigen Ort. Der CO2-Fußabdruck eines Produkts setzt sich aus Emissionen in der Rohstoffgewinnung, der Produktion, dem Transport und der Nutzungsphase zusammen. Das bedeutet: Die Datenerhebung erfordert Abstimmung zwischen Einkauf, Produktion, Logistik und Produktentwicklung.
Ein häufiger Fehler ist der Versuch, zunächst alle Daten perfekt zu erheben, bevor überhaupt mit dem Reporting begonnen wird. Besser ist ein schrittweiser Ansatz: Zunächst werden die wesentlichsten Kennzahlen mit den verfügbaren Daten erhoben, auch wenn diese noch auf Schätzungen oder Branchendurchschnittswerten beruhen. Mit der Zeit werden die Datenquellen präziser und die Prozesse stabiler.
Hilfreich ist es, Nachhaltigkeitsdaten direkt in bestehende ERP- oder Produktmanagementsysteme zu integrieren, statt separate Parallelstrukturen aufzubauen. Das reduziert den Erhebungsaufwand erheblich und sorgt dafür, dass Kennzahlen regelmäßig aktualisiert werden, ohne dass jedes Mal ein eigenes Projekt gestartet werden muss. Eine strukturierte CO2-Bilanz kann dabei als methodische Grundlage für die Produktebene dienen.
Von Kennzahlen zu Maßnahmen: Produktnachhaltigkeit kontinuierlich verbessern
Kennzahlen sind kein Selbstzweck. Ihr Wert liegt darin, dass sie Entscheidungen informieren und Verbesserungen sichtbar machen. Ein Unternehmen, das den PCF seiner meistverkauften Produkte kennt, kann gezielt prüfen, in welchem Schritt des Lebenszyklus die größten Hebel liegen, und Maßnahmen priorisieren, statt nach Bauchgefühl zu handeln.
Sinnvoll ist es, Produktkennzahlen mit konkreten Zielwerten zu verknüpfen und diese in die übergeordnete Nachhaltigkeitsstrategie einzubetten. So entsteht ein Steuerungskreislauf: Messen, analysieren, Maßnahmen ableiten, umsetzen, erneut messen. Dieser Kreislauf schafft nicht nur intern Klarheit, sondern liefert auch das Material für glaubwürdige externe Kommunikation.
Wichtig ist dabei eine realistische Ambition. Nicht jede Kennzahl wird sich sofort verbessern lassen. Aber wer transparent macht, wo ein Produkt heute steht und in welche Richtung es sich entwickeln soll, zeigt Glaubwürdigkeit, auch wenn die Ausgangslage noch nicht ideal ist.
Wie wir bei der Auswahl und Umsetzung produktbezogener KPIs unterstützen
Wir begleiten Unternehmen dabei, aus der Vielzahl möglicher Kennzahlen jene herauszuarbeiten, die wirklich zu ihrem Geschäftsmodell und ihren Produkten passen. Unser Ansatz verbindet methodisches Know-how mit einem tiefen Verständnis für betriebliche Abläufe. Konkret unterstützen wir unter anderem bei:
- der Wesentlichkeitsanalyse als Grundlage für die Kennzahlenauswahl
- der Erhebung und Berechnung von Product Carbon Footprints nach anerkannten Standards
- der Einordnung produktbezogener KPIs in den ESRS-Rahmen
- der Entwicklung eines Berichterstattungskonzepts, das intern steuerbar und extern kommunizierbar ist
- der Vorbereitung auf künftige Berichtspflichten, auch für Unternehmen, die aktuell noch nicht unter die CSRD fallen
Wer wissen möchte, welche Produktkennzahlen für das eigene Unternehmen sinnvoll sind und wie diese in ein konsistentes Nachhaltigkeitsreporting einfließen können, ist bei uns richtig. Nehmen Sie gerne Kontakt auf für ein unverbindliches Erstgespräch.
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